Aside: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Opalkatze hat in ihrem Blog unter dem Titel „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ einen sehr guten (und wichtigen) Artikel über eine immer wieder vergessene Seite der Urheberrechtsverschärfungsforderungen der Rechteinhaber und -verwerter geschrieben: nämlich, dass immer wieder neue und verschärfte Überwachungsgesetze beschlossen werden, die uns irgendwann noch sehr teuer zu stehen kommen… lest selbst

Die Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen [Update]

Offenbar gibt es immer mehr Rants (von rant = schimpfen, schwadronieren) – gerade aus und in den Medien – über die Piratenpartei. Dabei zeigt sich, dass die, die am lautesten schreien, am wenigsten Ahnung haben. Aber wie man aus der Politik und der BILD weiß, muss man keine Ahnung haben, um gehört zu werden. Es reicht schon, wenn man „eine Stimme“ hat (i.S.v. wichtig ist, für wichtig gehalten wird).
Es ging los (nicht wirklich, aber der aktuelle Schub) mit einem Rant von Sven Regener (Autor und Sänger der Deutschpop-Band „Element of Crime“). (Interview beim BR) Hier eine Antwort von Fritz Effenberger von 11k2.

Dann kamen 51 Drehbuchautoren, die auch keine Ahnung hatten, denen aber trotzdem zugehört wurde. (Hier zu lesen) Auf diesen Unfug hat der CCC geantwortet

Als nächstes kam das Handelsblatt mit einem Rant, interessanterweise unter dem Titel „Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten“. Wenn man nun einmal nachrechnet, wer von den 100 tatsächlich kreativ ist, wundert man sich schon. (Ich meine, kreativ sind wir ja alle – beim Finden von Arbeitvermeidungsstrategien; Gründen, Bier zu trinken etc.) Nico Kern hat einmal nachgerechnet:

Die Antwort zu dem Artikel ist z.B. bei neunetz.com zu finden.
(Zu Handelsblatt gibt es bei internet-law.de auch einen interessanten Titel „Wie das Handelsblatt mit Autoren umgeht“.)

Eins ist auf jeden Fall klar: es bleibt spannend. Der nächste Schwachsinnstext kommt bestimmt. Manch einer mag sich nun fragen, warum die Presse auf diesen Unfug nicht reagiert, wie man es von ihr als Vermittler erwarten sollte. Ich meine, grundsätzlich ist es ja klar, wie die einzelnen Medien ticken

  • die taz ist grün
  • die Frankfurter Rundschau SPD
  • die FAZ wirtschaftskonservativ
  • die Welt CSU
  • die Bild nicht so links wie die Welt

etc. Das weiß man, damit kann man umgehen. Aber warum werden die Medien nicht ihrer Rolle als Vermittler gerecht?
Ganz einfach: weil die Medien selbst Verwerter sind und deshalb klare Interessen haben. Sie wollen nicht, dass sich etwas ändert, weil die Änderungen in erster Linie zu ihrem Ungunsten gehen würden (das Ziel der Medien ist es schließlich billig erstellen zu lassen und teuer zu verkaufen, am besten mit Knebelverträgen – siehe oben – da stört es eben nur, wenn die Kreativen und die Verbraucher mehr Macht haben.)

Und jetzt endlich einmal ein Satz zum Titel: die Piraten wollen das Urheberrecht verändern. Mehr nicht. In erster Linie geht es denen sogar nur darum, das die Schutzdauer nach dem Tod des Künstlers verkürzt wird. (Beim Thema Urheberrecht, meine ich.)
Sonst wollen die Piraten, ganz kurz, dass sich die Gesetze sowohl an den Interessen der Künstler, der Verwerter und auch an denen der Verbraucher orientieren. Sie möchten erreichen, dass diese endlich fit werden für das 21. Jahrhundert. Hier die Meinung der Piratenpartei zur Thematik

Hier mal ein sehr interessanter Artikel zum Urheberrecht von Gerrit van Aaken bei praegnanz.de

[Update]
Christian Jakubetz hat in seinem Blog unter dem Titel „Mein Kropf gehört mir“ einmal aus eigener Anschauung beschrieben, wie er als Urheber diese Rants empfindet. Er hat sein neuestes Buch selbst verlegt, da ihm auffiel, dass er für die 5% Ertragsanteil (die er aus dem Verkauf erhält) sämtliche Rechte an den Verlag abgeben muss, und dies für ihn kein gesundes Verhältnis darstellt.
Anatol Stefanowitsch hat im Sprachlog einen „Offener Brief an die Contentindustrie“ verfasst, dem man anmerkt, er weiß, wovon er spricht und er kann sich sicher besser ausdrücken als die 51 Drehbuchautoren zusammen.

Disclaimer
Ich bin kein Pirat, stehe der Partei aber ziemlich nahe. Seitdem die Grünen (meine ehemalige politische Heimat) sich als Partei des Bürgerrechtsabbaus verstehen und sich sonst eher der Union annähern (viele Grüne sind dabei wesentlich konservativer als Frau Merkel und ähnliche eher progressive Kräfte dort) habe ich bei den Piraten meine neue politische Heimat gefunden.

Lily Allen – ganz schön silly

Lily Allen ist oder war eine britische Pop-Sängerin, die ihre Bestimmung darin sah, gegen Filesharing und für das Three-Strikes-Modell zu kämpfen. (SpOn)
Aber dann fiel plötzlich auf, dass in ihrem Blog – mit dem bezeichnenden Titel „It’s not alright“ – diverse kopierte Texte standen.
Außerdem hat sie Mixtapes mit Titeln veröffentlicht, an denen sie auch keine Rechte besitzt.
Nun hatte sie keinen Bock mehr auf Musikmachen und schließt auch gleich den Blog.

Dan Bull hat dazu ein Lied gemacht:

Download des Albums: myspace, BitTorrent, megaupload
Der Kauf der Lieder geht bei Amazon, iTunes und Napster.

via gulli.com