Tolle Aktion, FC St. Pauli #BILDnotwelcome [Update] [Update 2] [Update 3]

Der DFB hat mit einer rechtspopulistischen Zeitung ausgemacht, für dessen Heuchelaktion kostenfrei zu werben und es allen Fussballvereinen freigestellt, da mitzumachen.

Der FC St. Pauli allerdings hat dankend abgelehnt, für die BILD Werbung zu machen bzw. diese bei ihrem Greenwashing zu unterstützen (hier das Statement).

Ach ja, die BILD stand natürlich schon immer für Weltoffenheit und gegen rechte Hetzem, nicht wahr, BILDblog?!

Das Blatt führte seine Leser in die Irre, nahm Hetzer in Schutz, ließ Hetzer gewähren, verdrehte die Wahrheit, dachtesichallerleischlimmeTheorienundSzenarienaus und bereitete damit die Kerbe, in die der Rassistenmob heute so wütend reinhackt.

Ups, da habe ich was falsch verstanden.

Jedenfalls zeigt Julius Diekmann, Kai Streicher, nee Kai Diekmann, wes Kind er ist. BILDblog so „Wer nicht für „Bild“ werben will, muss gegen Flüchtlinge sein„.

Es wäre zu hoffen, dass sich weitere Vereine dem FC St. Pauli anschließen.

Hier geht’s übrigens zu den FC St. Pauli Refugees-Welcome-Shirts. Im Fanshop gibt’s noch mehr tolle Sachen. Ich werde da auf jeden Fall was kaufen.

[Update]

Auch der 1. FC Union Berlin nimmt nicht an der Werbeaktion teil, sondern stellt das Anfang des Jahres gekaufte und noch nicht eingeweihte Fanhaus als Unterbringung für Flüchtlinge zur Verfügung.

[Update 2]

Auch der SC Freiburg, der VFL Bochuzm und der 1. FC Nürnberg verzichten auf die Teilname an der BILD-Promo-Aktion.  (Via neues deutschland)

[Update 3]

Auch der MSV Duisburg, 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig nehmen nicht teil (via BILDblog)

Einige Vereine werden das BILD-Logo auf dem Badge überkleben. Dies reicht imho nicht aus, die BILD-Aktion wird damit ja weiterhin unterstützt.

Die Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen [Update]

Offenbar gibt es immer mehr Rants (von rant = schimpfen, schwadronieren) – gerade aus und in den Medien – über die Piratenpartei. Dabei zeigt sich, dass die, die am lautesten schreien, am wenigsten Ahnung haben. Aber wie man aus der Politik und der BILD weiß, muss man keine Ahnung haben, um gehört zu werden. Es reicht schon, wenn man „eine Stimme“ hat (i.S.v. wichtig ist, für wichtig gehalten wird).
Es ging los (nicht wirklich, aber der aktuelle Schub) mit einem Rant von Sven Regener (Autor und Sänger der Deutschpop-Band „Element of Crime“). (Interview beim BR) Hier eine Antwort von Fritz Effenberger von 11k2.

Dann kamen 51 Drehbuchautoren, die auch keine Ahnung hatten, denen aber trotzdem zugehört wurde. (Hier zu lesen) Auf diesen Unfug hat der CCC geantwortet

Als nächstes kam das Handelsblatt mit einem Rant, interessanterweise unter dem Titel „Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten“. Wenn man nun einmal nachrechnet, wer von den 100 tatsächlich kreativ ist, wundert man sich schon. (Ich meine, kreativ sind wir ja alle – beim Finden von Arbeitvermeidungsstrategien; Gründen, Bier zu trinken etc.) Nico Kern hat einmal nachgerechnet:

Die Antwort zu dem Artikel ist z.B. bei neunetz.com zu finden.
(Zu Handelsblatt gibt es bei internet-law.de auch einen interessanten Titel „Wie das Handelsblatt mit Autoren umgeht“.)

Eins ist auf jeden Fall klar: es bleibt spannend. Der nächste Schwachsinnstext kommt bestimmt. Manch einer mag sich nun fragen, warum die Presse auf diesen Unfug nicht reagiert, wie man es von ihr als Vermittler erwarten sollte. Ich meine, grundsätzlich ist es ja klar, wie die einzelnen Medien ticken

  • die taz ist grün
  • die Frankfurter Rundschau SPD
  • die FAZ wirtschaftskonservativ
  • die Welt CSU
  • die Bild nicht so links wie die Welt

etc. Das weiß man, damit kann man umgehen. Aber warum werden die Medien nicht ihrer Rolle als Vermittler gerecht?
Ganz einfach: weil die Medien selbst Verwerter sind und deshalb klare Interessen haben. Sie wollen nicht, dass sich etwas ändert, weil die Änderungen in erster Linie zu ihrem Ungunsten gehen würden (das Ziel der Medien ist es schließlich billig erstellen zu lassen und teuer zu verkaufen, am besten mit Knebelverträgen – siehe oben – da stört es eben nur, wenn die Kreativen und die Verbraucher mehr Macht haben.)

Und jetzt endlich einmal ein Satz zum Titel: die Piraten wollen das Urheberrecht verändern. Mehr nicht. In erster Linie geht es denen sogar nur darum, das die Schutzdauer nach dem Tod des Künstlers verkürzt wird. (Beim Thema Urheberrecht, meine ich.)
Sonst wollen die Piraten, ganz kurz, dass sich die Gesetze sowohl an den Interessen der Künstler, der Verwerter und auch an denen der Verbraucher orientieren. Sie möchten erreichen, dass diese endlich fit werden für das 21. Jahrhundert. Hier die Meinung der Piratenpartei zur Thematik

Hier mal ein sehr interessanter Artikel zum Urheberrecht von Gerrit van Aaken bei praegnanz.de

[Update]
Christian Jakubetz hat in seinem Blog unter dem Titel „Mein Kropf gehört mir“ einmal aus eigener Anschauung beschrieben, wie er als Urheber diese Rants empfindet. Er hat sein neuestes Buch selbst verlegt, da ihm auffiel, dass er für die 5% Ertragsanteil (die er aus dem Verkauf erhält) sämtliche Rechte an den Verlag abgeben muss, und dies für ihn kein gesundes Verhältnis darstellt.
Anatol Stefanowitsch hat im Sprachlog einen „Offener Brief an die Contentindustrie“ verfasst, dem man anmerkt, er weiß, wovon er spricht und er kann sich sicher besser ausdrücken als die 51 Drehbuchautoren zusammen.

Disclaimer
Ich bin kein Pirat, stehe der Partei aber ziemlich nahe. Seitdem die Grünen (meine ehemalige politische Heimat) sich als Partei des Bürgerrechtsabbaus verstehen und sich sonst eher der Union annähern (viele Grüne sind dabei wesentlich konservativer als Frau Merkel und ähnliche eher progressive Kräfte dort) habe ich bei den Piraten meine neue politische Heimat gefunden.

Alles grün? Drauf reingefallen…

Terra activ* von Henkel: sieht so grün aus und auch der Text macht ein gutes Gewissen. Aber dann habe ich beim Klima-Lügendetektor (bei dem sehr schön zu lesen ist, wie Unternehmen beim Thema Bio, Umwelt, Nachhaltigkeit „schummeln“) einen Text zu den Produkten gefunden.
Ich kauf dann doch lieber wieder von Frosch

* Was soll eigentlich dieses bescheuerte „c“ in dem Namen? Reinstes Denglisch, eine Mischung aus deutsch aktiv und englisch active.

Mal ein lesenswerter Kommentar bei SpOn

SpOn ist ja eigentlich auch nur Blöd-Zeitung ohne Hetze – es sei denn, es geht um Tauss, da wird gehetzt, was die Pressefreiheit hergibt.

Aber hier gibt’s mal einen schönen Kommentar zum Sparpaket und die ganzen vertanen Chancen für Klimaschutz und Ökologie: Falsches Sparen – Wie Merkel die Verkehrswende torpediert

Hier mal ein ein Satz aus dem Kommentar:

Es passt zur Grundausrichtung des schwarz-gelben Sparpakets, dass das sozialste Verkehrsmittel, die Bahn, belastet wird, während egoistische PS-Protzerei weiter belohnt wird.

Blogparade: Utopien einer gerechten Welt

Im Zementblog gibt es eine Blogparade mit dem Thema „Utopie“. Oder, um es mit den Worten des Autors zu beschreiben

Wie könnte die Welt, in der wir leben, besser sein? Welche gesellschaftlichen Strukturen wären für ein gerechteres Leben notwendig? Kurz gesagt: Wie sieht Deine Utopie aus? Welche bereits bestehende Theorie könnte gut sein? Sozialismus? Kommunismus? Oder leben wir etwa schon in einer gerechten Welt?

Das ist freilich ein Thema, mit dem sich schon viele große Geister beschäftigt haben, in deren Reihe ich nicht passe. Platon, Rousseau, Marx, Morus, meinetwegen auch Weber und Smith…

Ich greife mir nur eine Frage heraus, die Frage nach der Gerechtigkeit. Wir alle wissen, was Gerechtigkeit, was gerecht, ist, oder? Andererseits, wird Westerwelle sagen, seine wirtschaftspolitischen Ziele seien nicht gerecht? Wird Lafontaine sagen, seine seien es nicht? Und doch
weichen diese eklatant voneinander ab.
Das zwingt uns doch zum Innehalten und zu der Frage „was ist Gerechtigkeit?“ Und zu dieser werde ich ein paar Gedanken äußern.

Was also ist Gerechtigkeit?
Als Beispiel werde ich vier Kinder skizzieren, unter denen ein Kuchen verteilt werden soll.

Zunächst einmal ist es gerecht, wenn alle gleich behandelt werden. Jedes Kind erhält ein viertel des Kuchens. Dies nennt man absolute Gerechtigkeit. Manche Menschen fragen sich, ob es denn gerecht sei, wenn ein Milliardärskind, das jeden Tag Kuchen bekommt ebensoviel erhält wie ein Hilfsarbeiterkind, das nur an Feiertagen in den Genuss des Kuchens kommt. Wäre es nicht viel gerechter, wenn die reichen Kinder weniger bekämen als die armen? Dieser Gedanke heißt ausgleichende Gerechtigkeit. Jetzt haben wir also folgende Verteilung: die beiden Kinder aus der „Mittelschicht“ bekommen ein viertel, das reiche ein 1/6, das arme Kind 2/6. So sind nun alles glücklich und der Kuchen gerecht verteilt. Doch das eine Mittelschicht-Kind hat das andere geschlagen und gehänselt. Nun sollen die beiden gleich behandelt werden? Das kann doch nicht gerecht sein! Also bekommt der Täter als Strafe ebenfalls 1/6 und das Opfer als Ausgleich 2/6. Das nennt man strafende Gerechtigkeit.
Und so geht es weiter. Es gibt viele Arten von Gerechtigkeit und sie haben auch ihre Berechtigung. Je nachdem, welche Art ein Mensch in den Vordergrund stellt, bewertet er Handlungen, Gesellschaften etc.

Abgespeist: der goldene Windbeutel

Bei abgespeist.de kann wieder mal über den goldenen Windbeutel abgestimmt werden, und zwar für die dreisteste Werbelüge.
Zum Beispiel für

  • ein Biogetränk, das kaum Bio enthält
  • ein Zitrone-Physalis-Getränk, in dem kein Physalis enthalten ist
  • ein gesundes Getränk mit acht Stück Würfelzucker pro Fläschchen
  • etc.

Seht selbst.

Firmen sollen für surfende Mitarbeiter (m/f) zahlen

Wenn zukünftig Mitarbeiter_innen aus dem Büro heraus auf Medienseiten surfen, müssen deren Arbeitgeber hierfür bezahlen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: wir sprechen von ganz normalen, offenen Medienseiten.

[…] nicht nur Internetkonzerne, auch die Leser der Verlagsangebote sollen zahlen, zumindest wenn sie die Informationen beruflich nutzen oder mit einem Rechner an ihrem Arbeitsplatz sitzen. Wie die Zahlungspflicht konkret umgesetzt werden soll, lässt [Christoph] Keese in Köln allerdings gezielt offen. Wie im Business-to-business-Bereich üblich werde man auf die Unternehmen zugehen und ihnen ein Vertragsangebot machen. Dabei hätten die Unternehmen ausdrücklich auch die Möglichkeit auf die Nutzung der Verlagsangebote zu verzichten. „Dass Unternehmer nein sagen und trotzdem das Angebot nutzen, kann ich mir das einfach nicht vorstellen“, erklärte Keese.

Der gesamte Artikel bei heise.de zeugt von reiner Arroganz (oder Hybris) des Axel Springer-Lobbyisten. Letzten Endes handelt es sich wieder mal um den verzweifelten Versuch, ein veraltetes Geschäftsmodell durch gesetzliche Vorgaben zu retten. Die Medien müssen sich nicht dem Markt anpassen, die Merkel sorgt schon dafür, dass sich der Markt anpasst.
Siehe dazu auch den Artikel bei …Kaffee bei mir? Im Kommentarbereich ein sind auch ein paar Links zum Thema aufgeführt. Außerdem gibt’s beim Rheinischen Merkur einen interessanten Artikel zum Thema Medien und Internet: Vom Regen in die Traufe (via BILDblog)

Open Source ist Kommunismus und Antiamerikanismus…

gulli.com teasert

Die International Intellectual Property Alliance (IIPA) wendet sich derzeit an die US-amerikanische Regierung, sodass diese Open Source Software wie raubkopierte Werke werten soll. Alle Länder, die quelloffene Software unterstützen, gelten als Feinde des Kapitalismus.

Kein Witz, das ist wirklich Ernst gemeint.
Länder, die für Open Source sind und das auch für die Behörden empfehlen bzw. einsetzen, sollen auf die Liste antikapitalistischer Staaten gesetzt werden.
Es gibt reichlich Unternehmen, die mit Open Source Software echtes Geld verdienen, auch wenn ewig gestrige Kapitalisten dies freilich nicht verstehen.

“Dass diese Bitte der IIPA durch das fadenscheinige Argument begründet wird, Open Source sei antikapitalistisch und kommunistisch, zeigt, dass es in dieser Debatte nicht um Argumente, sondern vielmehr um die Verdrängung von aufstrebender Konkurrenz vom Markt geht.”, erläutert Mathis Elling, Leiter der AG Freie Software der Jungen Piraten

im Artikel Junge Piraten gegen Verbot von freier Software