In eigener Sache: Werbung oder Sponsered Posts

Vor einiger Zeit bekam ich eine freundliche Anfrage, ob ich nicht einen Sponsered Post auf meinem Blog veröffentlichen möchte. Ich habe – bzw. werde – dies ebenso freundlich verneinen.

Warum?

Nun, nicht, weil ich – wie einige offenbar – der Meinung wäre, dass alles im Internet kostenlos sei. Nein, durch Werbung etc. wird dieses Blog kommerziell*. Und an kommerziellen Blogs hängt noch ein ganzer Rattenschwanz, auf den ich keinen Bock habe.

Zum Beispiel muss ich ein angepasstes Impressum bieten (es gibt sogar Stimmen, die sagen, dass eine Telefonnummer veröffentlicht werden müsse – Hell no!), ebenso Kontakt und Datenschutzerklärung (die meines Wissens schon sehr ordentlich sind). Ich müsste das Leistungsschutzrecht – diese papiergewordene Scheiße, losgelassen von wahngeistigen und lobbyhörigen CSUlern – beachten. Bei fremden Inhalten (z.B. Bildern, die ich ja gern von flickr beziehe) müsste ich darauf achten, ob diese kommerziell verwendet werden dürfen. Bei einem – hoffentlich nie vorkommenden – Gerichtsverfahren müsste ich mich als jemand ansprechen lassen, der Geld mit dem Blog verdient und deshalb ganz anderen Regeln zu gehorchen hat.

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Zitate – erlaubt und abmahnfähig gleichzeitig? [Update]

Es heißt immer, Zitate seien erlaubt, auch nach der Verabschiedung des LSR (Leistungsschutzrecht), andererseits werden Webseiten und Blogs, die Zitate (z.B. von Karl Valentin) bieten, abgemahnt.

Komisch, oder?

Nein. Und zwar ist das Problem, dass der Begriff „Zitat“ im normalen Sprachgebrauch anders gesehen wird als eigentlich korrekt wäre. Ein Zitat ist nicht einfach ein Spruch, sondern damit jemand ein Zitat „richtig“ nutzen kann, muss sich dieser mit dem Zitat auseinandersetzen.

Beispiel 1
‚“Das ist also des Pudels Kern“ sagte, schon Goethe im Faust und um Hunde soll’s hier auch gehen…‘

Beispiel 2
‚“Namen sind Schall und Rauch“ sagte Mephistopheles in Goethe’s Faust, allerdings war dies eine Nebelkerze, denn Mephistopheles wusste, dass das Wissen des Namen (also letztendlich der Kenntnis) des Dings eine Art von Wissen, Macht über den Gegenstand gibt. Mephistopheles sagt dies genau deshalb, um sich nicht vor Faust zu offenbaren, da dies seinen Plan gefährden würde. Schon die Alten Griechen…‘

Es fällt auf, dass in den beiden Beispielen die „Fremdaussagen“ unterschiedlich genutzt werden: im ersten Fall handelt es sich nur um einen Aufhänger ist, einen Einstieg in den folgenden Text, beim zweiten hingegen setzt sich der Autor mit der Aussage in einem eigenen Sprachwerk auseinander. (Danke, @A_Christofori)
Und in genau diesem Falle ist das Zitat rechtlich einwandfrei, auch im Internet. Und auch, wenn es von Karl Valentin oder Heinz Erhardt stammt.

(Ja, ich habe die Zitate nicht wissenschaftlich ausgeführt. Ein Zitat muss eigentlich einwandfrei auffindbar sein, d.h. ich müsste dazuschreiben, wo ich es gefunden habe. Und zwar mit Autor, Titel, Auflage, Verlagsort, Jahr, Seite.)

[Update]
RA Ferner hat einen Beitrag zum Zitatrecht geschrieben: „Urheberrecht: Das Zitatrecht nach §51 UrhG“

Die Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen [Update]

Offenbar gibt es immer mehr Rants (von rant = schimpfen, schwadronieren) – gerade aus und in den Medien – über die Piratenpartei. Dabei zeigt sich, dass die, die am lautesten schreien, am wenigsten Ahnung haben. Aber wie man aus der Politik und der BILD weiß, muss man keine Ahnung haben, um gehört zu werden. Es reicht schon, wenn man „eine Stimme“ hat (i.S.v. wichtig ist, für wichtig gehalten wird).
Es ging los (nicht wirklich, aber der aktuelle Schub) mit einem Rant von Sven Regener (Autor und Sänger der Deutschpop-Band „Element of Crime“). (Interview beim BR) Hier eine Antwort von Fritz Effenberger von 11k2.

Dann kamen 51 Drehbuchautoren, die auch keine Ahnung hatten, denen aber trotzdem zugehört wurde. (Hier zu lesen) Auf diesen Unfug hat der CCC geantwortet

Als nächstes kam das Handelsblatt mit einem Rant, interessanterweise unter dem Titel „Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten“. Wenn man nun einmal nachrechnet, wer von den 100 tatsächlich kreativ ist, wundert man sich schon. (Ich meine, kreativ sind wir ja alle – beim Finden von Arbeitvermeidungsstrategien; Gründen, Bier zu trinken etc.) Nico Kern hat einmal nachgerechnet:

Die Antwort zu dem Artikel ist z.B. bei neunetz.com zu finden.
(Zu Handelsblatt gibt es bei internet-law.de auch einen interessanten Titel „Wie das Handelsblatt mit Autoren umgeht“.)

Eins ist auf jeden Fall klar: es bleibt spannend. Der nächste Schwachsinnstext kommt bestimmt. Manch einer mag sich nun fragen, warum die Presse auf diesen Unfug nicht reagiert, wie man es von ihr als Vermittler erwarten sollte. Ich meine, grundsätzlich ist es ja klar, wie die einzelnen Medien ticken

  • die taz ist grün
  • die Frankfurter Rundschau SPD
  • die FAZ wirtschaftskonservativ
  • die Welt CSU
  • die Bild nicht so links wie die Welt

etc. Das weiß man, damit kann man umgehen. Aber warum werden die Medien nicht ihrer Rolle als Vermittler gerecht?
Ganz einfach: weil die Medien selbst Verwerter sind und deshalb klare Interessen haben. Sie wollen nicht, dass sich etwas ändert, weil die Änderungen in erster Linie zu ihrem Ungunsten gehen würden (das Ziel der Medien ist es schließlich billig erstellen zu lassen und teuer zu verkaufen, am besten mit Knebelverträgen – siehe oben – da stört es eben nur, wenn die Kreativen und die Verbraucher mehr Macht haben.)

Und jetzt endlich einmal ein Satz zum Titel: die Piraten wollen das Urheberrecht verändern. Mehr nicht. In erster Linie geht es denen sogar nur darum, das die Schutzdauer nach dem Tod des Künstlers verkürzt wird. (Beim Thema Urheberrecht, meine ich.)
Sonst wollen die Piraten, ganz kurz, dass sich die Gesetze sowohl an den Interessen der Künstler, der Verwerter und auch an denen der Verbraucher orientieren. Sie möchten erreichen, dass diese endlich fit werden für das 21. Jahrhundert. Hier die Meinung der Piratenpartei zur Thematik

Hier mal ein sehr interessanter Artikel zum Urheberrecht von Gerrit van Aaken bei praegnanz.de

[Update]
Christian Jakubetz hat in seinem Blog unter dem Titel „Mein Kropf gehört mir“ einmal aus eigener Anschauung beschrieben, wie er als Urheber diese Rants empfindet. Er hat sein neuestes Buch selbst verlegt, da ihm auffiel, dass er für die 5% Ertragsanteil (die er aus dem Verkauf erhält) sämtliche Rechte an den Verlag abgeben muss, und dies für ihn kein gesundes Verhältnis darstellt.
Anatol Stefanowitsch hat im Sprachlog einen „Offener Brief an die Contentindustrie“ verfasst, dem man anmerkt, er weiß, wovon er spricht und er kann sich sicher besser ausdrücken als die 51 Drehbuchautoren zusammen.

Disclaimer
Ich bin kein Pirat, stehe der Partei aber ziemlich nahe. Seitdem die Grünen (meine ehemalige politische Heimat) sich als Partei des Bürgerrechtsabbaus verstehen und sich sonst eher der Union annähern (viele Grüne sind dabei wesentlich konservativer als Frau Merkel und ähnliche eher progressive Kräfte dort) habe ich bei den Piraten meine neue politische Heimat gefunden.

Open Source ist Kommunismus und Antiamerikanismus…

gulli.com teasert

Die International Intellectual Property Alliance (IIPA) wendet sich derzeit an die US-amerikanische Regierung, sodass diese Open Source Software wie raubkopierte Werke werten soll. Alle Länder, die quelloffene Software unterstützen, gelten als Feinde des Kapitalismus.

Kein Witz, das ist wirklich Ernst gemeint.
Länder, die für Open Source sind und das auch für die Behörden empfehlen bzw. einsetzen, sollen auf die Liste antikapitalistischer Staaten gesetzt werden.
Es gibt reichlich Unternehmen, die mit Open Source Software echtes Geld verdienen, auch wenn ewig gestrige Kapitalisten dies freilich nicht verstehen.

“Dass diese Bitte der IIPA durch das fadenscheinige Argument begründet wird, Open Source sei antikapitalistisch und kommunistisch, zeigt, dass es in dieser Debatte nicht um Argumente, sondern vielmehr um die Verdrängung von aufstrebender Konkurrenz vom Markt geht.”, erläutert Mathis Elling, Leiter der AG Freie Software der Jungen Piraten

im Artikel Junge Piraten gegen Verbot von freier Software

Petition wider den Abmahnwahn [Update]

Es gibt eine Petition beim Deutschen Bundestag, die sich mit den Kosten der Abmahnungen befasst.

Schließlich gibt es reichlich Abmahngründe, die nur aus Versehen oder Unwissenheit passierten, die jedoch mit der Rechtsanwaltskeule (die damit sehr gut verdienen) beantwortet werden. Es gibt außerdem Unternehmen und Personen, die mit Abmahnungen reichlich Geld verdienen. Aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen verzichte ich die Nennung auf Namen…

Zur Petition: in dieser wird gefordert, dass vor jeder kostenpflichtigen Abmahnung kostenlose Vorstufe erfolgen muss. Wenn in einer hierin gesetzten Frist der Abmahnungsgegenstand entfernt wurde, darf es nicht zu einer Abmahnung kommen.

Klaro, die Abmahnung wurde erfunden, damit dei Gerichte nicht zu viel zu tun haben. Aber was wir heute erleben, ist der Missbrauch des Gesetzes. Und ein kurzer Brief an den Abzumahnenden erhöht die Kosten des Abmahners nicht sonderlich, dieser muss ja nicht einmal durch den Rechtsanwalt sondern kann auch durch eine Bürokraft erfolgen. Es handelt sich ja nur um den Hinweis, dass hier eventuell oder wahrscheinlich ein Recht verletzt wurde…

Hier geht’s zur Petition

via Kommentar bei netzpolitik.org

[Update]
Bei der Piratenpartei gibt es einen ausführlichen Text zum Thema.

Jack Wolfskin lenkt ein (bisschen ein)

Jack Wolfskin hat wohl gemerkt, dass der Abmahn-Wahn der Marke schadet, ein bisschen wird eingelenkt:
Dawanda muss nicht zahlen und Jack Wolfskin zieht die Abmahnungen zurück.
Punkt. Einsicht, Entschuldigung und dergleichen sind zu viel verlangt, naja…

Mehr bei create or die. Und noch mehr beim Werbeblogger

via stohl.de

Vorsicht Pfotenfreunde: Jack Wolfskin mahnt ab [Update]

Wer in seinem Blog Katzen-, Hunde-, Bärenpfoten (bzw. Bilder von solchen Abdrücken) zeigt, sollte sich auf eine Abmahnung von Jack Wolfskin vorbereiten. Denen gehört jegliche Pfote – zumindest sind die der Meinung.*

Mehr beim Werbeblogger

[Update]
Jack Wolfskin hat sich zu den Abmahnungen geäußert. Bei SegaPro gibt’s den Text.

* Plötzlich bin ich doch ganz froh, keinen Wolfskin-Rucksack gekauft zu haben! Das werde ich mir auch noch mal sehr gut durch den Kopf gehen lassen!

Studie zur Kommerzialität von Inhalten

cc.logoDie Organisation Creative Commons hat eine Studie zu der Frage, was kommerzielle Nutzung von Inhalten bedeutet, anfertigen lassen.
Viele Inhalte im Internet (auch die dieses Blogs) dürfen nicht kommerziell verwertet werden, allerdings gibt es keine Definition des Begriffs. Beginnt die kommerzielle Nutzung bereits bei einer kleinen Werbung oder erst bei Unternehmensblogs?

Das ist nun wirklich ein wichtiger Punkt. Allerdings stellt sich die Frage, wie er geklärt werden soll. Ich behaupte, aktuell geht das nicht. Wie kann entschieden werden, ob der Blogger nur ein klein wenig Werbeplatz vermietet, um die Betriebskosten zu decken oder, ob er Gewinne erwirtschaften möchte.
Es geht hier auch ganz klar um Praktikabilität.

Imho ist Bannerwerbung auch Werbung, und wer Werbung schaltet, hat Gewinnerzielungsabsichten, ist somit kommerziell tätig. Allerdings gibt es einige Argumente gegen diese Sichtweise, die bei gulli.com dargelegt werden. Darum denke ich, ist es am besten, wenn die Lizenz geteilt wird, in absolut nicht kommerziell und bisschen kommerziell.

Unbedingt jedoch ist es sehr gut, dass die Diskussion um diesen Punkt nun beginnt.