Rage: Signal, Telegram – Privacy, Datenschutz – kennt’a?

Bei Signal – dem ach so sicheren Service – angemeldet. Eine Minute später angechattet worden. Deinstalliert. Bei Telegram angemeldet. Eine Minute später angechattet worden. Deinstalliert.

Was soll der Scheiß? Ich möchte nicht, nicht, nicht, dass jede_r der oder die meine Telefonnummer hat, mich mir nichts, dir nichts anchatten kann. Dann kann ich auch gleich zu WhatsApp gehen. Die kennen keine Privacy, keinen Datenschutz, aber zumindest behaupten die das auch nicht.

Ich erwarte ja nicht viel, aber wenigstens möchte ich nicht von irgendwem angesprochen werden, den ich nicht explizit hinzugefügt habe. Ist doch eigentlich ganz einfach, oder?

EU-Leistungsschutzrecht für alle Internetunternehmen [Update]

Die t3n teasert

Die EU-Kommission erwägt ein Leistungsschutzrecht für Verleger einzuführen, das nicht nur für Suchmaschinen wie Google gilt. Damit würde das deutsche Leistungsschutzrecht in verschärfter Form europäisch.

Es geht darum, das das deutsche Murks-LSR sich nicht nur auf die gesamte EU erstrecken soll, sondern sogar ausgeweitet wird, sodass alle Unternehmen, die journalistische Textteile nutzen, zur Kasse gebeten werden können, z.B. auch facebook oder Twitter.

Wo das enden wird, ist nach den Erfahrungen mit dem LSR in Deutschland und Spanien wohl klar: die großen Unternehmen wie Google und facebook werden die Medien vor die Wahl stellen, entweder die Teile kostenlos zu bekommen oder rauszufliegen. Und die Verlage machen mit. die kleinen Unternehmen müssen zahlen und machen dann ggf. dicht.

So kann die EU natürlich auch die großen Unternehmen aus den USA stärken und die kleinen Startups, z.B. aus Europa, schwächen.

Man fragt sich wirklich, ob Politiker nur einen Moment nachdenken, bevor die Gesetze schaffen. Und bei Lobbyisten – hier vertreten durch Frank Überall vom DJV – scheint es nicht unbedingt besser auszusehen.

[Update]

Via BILDblog auf einen Artikel/Kommentar bei Mobilegeeks zum Thema gestoßen: Verquere Logik der EU-Kommission beim Verleger-Leistungsschutzrecht *Update*

Tolle Aktion, FC St. Pauli #BILDnotwelcome [Update] [Update 2] [Update 3]

Der DFB hat mit einer rechtspopulistischen Zeitung ausgemacht, für dessen Heuchelaktion kostenfrei zu werben und es allen Fussballvereinen freigestellt, da mitzumachen.

Der FC St. Pauli allerdings hat dankend abgelehnt, für die BILD Werbung zu machen bzw. diese bei ihrem Greenwashing zu unterstützen (hier das Statement).

Ach ja, die BILD stand natürlich schon immer für Weltoffenheit und gegen rechte Hetzem, nicht wahr, BILDblog?!

Das Blatt führte seine Leser in die Irre, nahm Hetzer in Schutz, ließ Hetzer gewähren, verdrehte die Wahrheit, dachtesichallerleischlimmeTheorienundSzenarienaus und bereitete damit die Kerbe, in die der Rassistenmob heute so wütend reinhackt.

Ups, da habe ich was falsch verstanden.

Jedenfalls zeigt Julius Diekmann, Kai Streicher, nee Kai Diekmann, wes Kind er ist. BILDblog so „Wer nicht für „Bild“ werben will, muss gegen Flüchtlinge sein„.

Es wäre zu hoffen, dass sich weitere Vereine dem FC St. Pauli anschließen.

Hier geht’s übrigens zu den FC St. Pauli Refugees-Welcome-Shirts. Im Fanshop gibt’s noch mehr tolle Sachen. Ich werde da auf jeden Fall was kaufen.

[Update]

Auch der 1. FC Union Berlin nimmt nicht an der Werbeaktion teil, sondern stellt das Anfang des Jahres gekaufte und noch nicht eingeweihte Fanhaus als Unterbringung für Flüchtlinge zur Verfügung.

[Update 2]

Auch der SC Freiburg, der VFL Bochuzm und der 1. FC Nürnberg verzichten auf die Teilname an der BILD-Promo-Aktion.  (Via neues deutschland)

[Update 3]

Auch der MSV Duisburg, 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig nehmen nicht teil (via BILDblog)

Einige Vereine werden das BILD-Logo auf dem Badge überkleben. Dies reicht imho nicht aus, die BILD-Aktion wird damit ja weiterhin unterstützt.

Wie Pegida-Demonstranten nicht ticken

Vor einiger Zeit wurde über eine Studie berichtet, bei der herausgefunden wurde, dass Pegida-Anhänger ganz normale Mittelstandsmenschen seien, die mit der Regierung und den Medien unzufrieden sind. Viele Menschen – Journalisten, Wissenschaftler und dergleichen – haben sich die Studie angeschaut. Und in der Luft zerrissen. Bei Frischer Wind gibt es einen langen Artikel mit vielen Links zu weiteren Besprechungen:
Was verrät uns die aktuelle Studie der TU Dresden über den “typischen” PEGIDA-Demonstranten?

Aside: In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?

Opalkatze hat in ihrem Blog unter dem Titel „In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?“ einen sehr guten (und wichtigen) Artikel über eine immer wieder vergessene Seite der Urheberrechtsverschärfungsforderungen der Rechteinhaber und -verwerter geschrieben: nämlich, dass immer wieder neue und verschärfte Überwachungsgesetze beschlossen werden, die uns irgendwann noch sehr teuer zu stehen kommen… lest selbst

Die Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen [Update]

Offenbar gibt es immer mehr Rants (von rant = schimpfen, schwadronieren) – gerade aus und in den Medien – über die Piratenpartei. Dabei zeigt sich, dass die, die am lautesten schreien, am wenigsten Ahnung haben. Aber wie man aus der Politik und der BILD weiß, muss man keine Ahnung haben, um gehört zu werden. Es reicht schon, wenn man „eine Stimme“ hat (i.S.v. wichtig ist, für wichtig gehalten wird).
Es ging los (nicht wirklich, aber der aktuelle Schub) mit einem Rant von Sven Regener (Autor und Sänger der Deutschpop-Band „Element of Crime“). (Interview beim BR) Hier eine Antwort von Fritz Effenberger von 11k2.

Dann kamen 51 Drehbuchautoren, die auch keine Ahnung hatten, denen aber trotzdem zugehört wurde. (Hier zu lesen) Auf diesen Unfug hat der CCC geantwortet

Als nächstes kam das Handelsblatt mit einem Rant, interessanterweise unter dem Titel „Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten“. Wenn man nun einmal nachrechnet, wer von den 100 tatsächlich kreativ ist, wundert man sich schon. (Ich meine, kreativ sind wir ja alle – beim Finden von Arbeitvermeidungsstrategien; Gründen, Bier zu trinken etc.) Nico Kern hat einmal nachgerechnet:

Die Antwort zu dem Artikel ist z.B. bei neunetz.com zu finden.
(Zu Handelsblatt gibt es bei internet-law.de auch einen interessanten Titel „Wie das Handelsblatt mit Autoren umgeht“.)

Eins ist auf jeden Fall klar: es bleibt spannend. Der nächste Schwachsinnstext kommt bestimmt. Manch einer mag sich nun fragen, warum die Presse auf diesen Unfug nicht reagiert, wie man es von ihr als Vermittler erwarten sollte. Ich meine, grundsätzlich ist es ja klar, wie die einzelnen Medien ticken

  • die taz ist grün
  • die Frankfurter Rundschau SPD
  • die FAZ wirtschaftskonservativ
  • die Welt CSU
  • die Bild nicht so links wie die Welt

etc. Das weiß man, damit kann man umgehen. Aber warum werden die Medien nicht ihrer Rolle als Vermittler gerecht?
Ganz einfach: weil die Medien selbst Verwerter sind und deshalb klare Interessen haben. Sie wollen nicht, dass sich etwas ändert, weil die Änderungen in erster Linie zu ihrem Ungunsten gehen würden (das Ziel der Medien ist es schließlich billig erstellen zu lassen und teuer zu verkaufen, am besten mit Knebelverträgen – siehe oben – da stört es eben nur, wenn die Kreativen und die Verbraucher mehr Macht haben.)

Und jetzt endlich einmal ein Satz zum Titel: die Piraten wollen das Urheberrecht verändern. Mehr nicht. In erster Linie geht es denen sogar nur darum, das die Schutzdauer nach dem Tod des Künstlers verkürzt wird. (Beim Thema Urheberrecht, meine ich.)
Sonst wollen die Piraten, ganz kurz, dass sich die Gesetze sowohl an den Interessen der Künstler, der Verwerter und auch an denen der Verbraucher orientieren. Sie möchten erreichen, dass diese endlich fit werden für das 21. Jahrhundert. Hier die Meinung der Piratenpartei zur Thematik

Hier mal ein sehr interessanter Artikel zum Urheberrecht von Gerrit van Aaken bei praegnanz.de

[Update]
Christian Jakubetz hat in seinem Blog unter dem Titel „Mein Kropf gehört mir“ einmal aus eigener Anschauung beschrieben, wie er als Urheber diese Rants empfindet. Er hat sein neuestes Buch selbst verlegt, da ihm auffiel, dass er für die 5% Ertragsanteil (die er aus dem Verkauf erhält) sämtliche Rechte an den Verlag abgeben muss, und dies für ihn kein gesundes Verhältnis darstellt.
Anatol Stefanowitsch hat im Sprachlog einen „Offener Brief an die Contentindustrie“ verfasst, dem man anmerkt, er weiß, wovon er spricht und er kann sich sicher besser ausdrücken als die 51 Drehbuchautoren zusammen.

Disclaimer
Ich bin kein Pirat, stehe der Partei aber ziemlich nahe. Seitdem die Grünen (meine ehemalige politische Heimat) sich als Partei des Bürgerrechtsabbaus verstehen und sich sonst eher der Union annähern (viele Grüne sind dabei wesentlich konservativer als Frau Merkel und ähnliche eher progressive Kräfte dort) habe ich bei den Piraten meine neue politische Heimat gefunden.