Facebook missbraucht seine Macht (nicht)

Ach ja, wie oft höre ich, dass facebook die eigene Macht missbraucht, indem Bilder zensiert, Konten gesperrt, Informationen gefiltert werden.

Andererseits fragt niemand, ob die Macht, die facebook hat, dem Netzwerk bzw. der Plattform nicht auch von den Menschen gegeben wird, die diese nun beklagen. Was ich natürlich bejahe. Okay, ich bin schon seit Jahren nicht mehr dort angemeldet und vermissen nullkommanichts.

Aber imho, wenn ich mich dort anmelde, unterwerfe ich mich gewissen Bedingungen, über die ich mich dann nicht im Nachhinein beschweren darf.

Der Chef der größten norwegischen Zeitung „Aftenposten“ hat sich in einem Offenen Brief – nebst Video – direkt an den facebook-Gründer gewandt und sich bei ihm beschwert, dass das Bild, das Grauen des (Vietnam-) Kriegs am meisten verdeutlicht, gesperrt wurde.

Ich finde es heuchlerisch, sich erst mit wehenden Fahnen den AGB zu unterwerfen und sich dann zu beschweren, dass diese in ihrer Unklarheit genutzt werden. Gerade Unternehmen bzw. Medien sollten Rechtsanwälte haben, die solcherlei Verträge durchlesen und einschätzen.

Artikel bei SpOn

EU-Leistungsschutzrecht für alle Internetunternehmen [Update]

Die t3n teasert

Die EU-Kommission erwägt ein Leistungsschutzrecht für Verleger einzuführen, das nicht nur für Suchmaschinen wie Google gilt. Damit würde das deutsche Leistungsschutzrecht in verschärfter Form europäisch.

Es geht darum, das das deutsche Murks-LSR sich nicht nur auf die gesamte EU erstrecken soll, sondern sogar ausgeweitet wird, sodass alle Unternehmen, die journalistische Textteile nutzen, zur Kasse gebeten werden können, z.B. auch facebook oder Twitter.

Wo das enden wird, ist nach den Erfahrungen mit dem LSR in Deutschland und Spanien wohl klar: die großen Unternehmen wie Google und facebook werden die Medien vor die Wahl stellen, entweder die Teile kostenlos zu bekommen oder rauszufliegen. Und die Verlage machen mit. die kleinen Unternehmen müssen zahlen und machen dann ggf. dicht.

So kann die EU natürlich auch die großen Unternehmen aus den USA stärken und die kleinen Startups, z.B. aus Europa, schwächen.

Man fragt sich wirklich, ob Politiker nur einen Moment nachdenken, bevor die Gesetze schaffen. Und bei Lobbyisten – hier vertreten durch Frank Überall vom DJV – scheint es nicht unbedingt besser auszusehen.

[Update]

Via BILDblog auf einen Artikel/Kommentar bei Mobilegeeks zum Thema gestoßen: Verquere Logik der EU-Kommission beim Verleger-Leistungsschutzrecht *Update*

Ein Jahr Krautreporter

Die Krautreporter gibt es jetzt ein Jahr (oder so). Also los, Böller, Feuerwerk, tolle Reden, Standing Ovations, Beflaggung und derart mehr.

Naja, nicht ganz. Zumindest nicht aus meiner Sicht. Ich kann noch nicht mal sagen, was ich mir vorher vorgestellt habe. Aber ich kann sagen, dass es wohl nicht das ist, was geliefert wurde.

Es gibt nicht mehr jeden Tag ein Artikel. Das ist nicht schlimm, wenn man bedenkt, das z.B. bei der Süddeutschen so an unredigiertem Schrott veröffentlicht wird. Da möchte ich lieber weniger und dafür gute Artikel, als mehr und dafür voller Rechtschreibfehler und un-beendeter Sätze.

Was ist es also? Ich gehe einmal in der Woche zu den KR und lese dort. Beziehungsweise lese nicht. Es gibt dort wenig, was nicht auch bei der Süddeutsche Magazin stehen könnte. Die Inhalte könnten ebenso gut bei der Zeit stehen oder einem anderen – klassischen – Magazin. Ich weiß, für richtig gute Underground-Recherchen braucht man viel Zeit und Geld und das ist bei KR knapp. Aber trotzdem müssen es nicht immer dieselben Mainstream-Themen sein. Die Artikel könnten einfach überall stehen.

Warum nicht einfach mal irgendwelche Leaks-Dokumente analysieren? Die sind fertig und liegen irgendwo rum.

Oder eine Reportage über eine gelenkte oder gar nicht-Demokratie, die nicht im Fokus des Interesses steht?

Wobei ich mir gerade mehr Analysen wünschen würde, von Gesetzesvorhaben oder Wünschen von Lobbygruppen. Von TTIP oder CETA.

Ich habe diese Ideen nicht gegenüber KR geäußert, die kamen mir jetzt gerade erst.

Naja, aber aller Anfang ist schwer, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und jeder hat das Recht auf eine zweite Change. Aus diesem Grunde werde ich KR ein weiteres Jahr unterstützen.

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Please pay here, by stevendepolo

Please pay here, by stevendepolo

Richard Gutjahr hat sich ja vor einiger Zeit mit LaterPay zusammengetan und setzt diese Art der Finanzierung der eigenen Arbeit inzwischen auch ein.

Ich habe mir mal ein paar Gedanken darüber gemacht, was ich von den üblichen Methoden halte bzw. warum ich LaterPay als für mich sinnvollste Methode sehe.

Klassisches Abomodell
Tolle Sache: sehr einfach, mir wird jeden Monat der Betrag x vom Konto abgezogen, ich muss nichts mehr tun. Der Verlag kann dazu noch mit meinem Geld rechnen und weiß somit, wie viel er im kommenden Monat sicher hat.
Naja, so toll ist das für mich nicht: ich zahle jeden Sch… mit – Feuilleton, Aktienkurse, Sport. Reichlich Dinge, die mich nicht interessieren. Wenn ich (damals) eine Papier-Zeitung gekauft habe, sind Feuilleton und Sportteil gleich ungelesen in die Papiertonne gewandert. Ich kann mit beidem nichts anfangen.
Und außerdem: was ist, wenn ich mich ab und an mal für einen Artikel interessiere?! Die SZ kostet im ePaper 30 Euro im Monat. Ganz schlechtes Geschäft (für mich).

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Bildb(ver)fälschung von früher bis heute

Oder so könnte man den Titel des Beitrags bei fourandsix.com „Photo Tampering throughout History“ übersetzen.
Es geht darum, wie Medien und staatliche Stellen Bildverarbeitung einsetzten, um die Geschichte im Nachhinein (vergleiche 1984) zu verändern (Geschichtsklitterung zu betreiben), Dinge digital nachzustellen oder einen anderen Eindruck zu erwecken.
Die Punkte reichen von KLeinigkeiten (mal ein Speckröllchen wegretouschiert), über problematische Änderungen (Model bei einem Werbebild für Faltencreme Falten wegretouschiert) bis hin zur angesprochenen Geschichtsklitterung (nicht (mehr) genehme Menschen werden wegretouschiert).

Aside: Achtung, Meinung!: Ein guter Journalist – Was ist das?

Leo Gergs erkläutert in dem sehr lesenswerten Artikel, was seiner Meinung nach einen guten Journalisten ausmacht: kein Vermischen von Information mit eigener Meinung, keine Wiedergabe von Meldungen, sondern vielmehr ein Einordnen der Informationen, Unterfüttern mit Wissen. Die Informationen kann sich Jeder im Internet selbst suchen, aber für genau diese Dinge braucht es Journalisten (oder freilich Menschen mit ähnlichem Wissen), aber genau diese Aufgaben werden heute nicht mehr erledigt.
Lest selbst