Fallout 3 vs. Fallout 4

Vor gut einem Jahr habe ich in einem Post erläutert, warum ich Fallout 3 besser finde als Fallout New Vegas. Damals habe ich darauf hingewiesen, dass bei Fallout 4 einige interessante Neuerungen enthalten sind – z.B. das Crafting. In diesem Post möchte ich nun klären, ob ich Fallout 3 oder Fallout 4 besser finde. Ein bisschen schwierig ist, dass zwischen den beiden Spielen sieben Jahre liegen: Grafik, Sound & Co. sich dabei natürlich enorm weiterentwickelt haben. Sei’s drum 🙂

Grafik, Technik, Gameplay

Nachdem ich Far Cry 4 gesehen habe, das ein Jahr vor Fallout 4 herausgekommen ist, war ich von der Fallout 4-Grafik schon ziemlich enttäuscht. Meines Erachtens war diese absolut nicht state of the art. Natürlich wesentlich besser als in Fallout 3, aber sieben Jahre lassen sich nun mal nicht wegdiskutieren.

Bei der Nutzung des Pip Boy (bzw. des Menüs) hat sich bei Fallout 4 einiges getan: während bei Fallout 3 nur die Hauptbereiche über F-Tasten erreichbar waren, sind nun die Unterbereiche – ähnlich wie bei Skyrim – über Shortcuts anwählbar. Sehr hilfreich.

Andererseits ist die Kommunikation bei Fallout 4 wesentlich schlechter als bei Fallout 3, New Vegas und auch Skyrim: man hat vier Antwortmöglichkeiten, diese werden teils mit einem Wort – z.B. Sarkastisch – beschrieben. Zum Teil ist es ratsam, zu speichern, bevor man spricht, da man nie weiß, was man sagt.

Davon abgesehen kann man in Fallout 4 nur auf der Seite der Guten kämpfen und nur Gutes tun. Das zeigt sich auch bei den Antworten: ja, ja, ja, wenn’s sein muss (es gibt dazu ein nettes Bild im Internet, das ich leider nicht wiederfinde 🙁 )

Btw. die eigenen Aussagen werden von einem Sprecher ausgegeben. Dafür gibt es keinen Bonuspunkt von mir.

Begleiter

Bei Fallout 3 (und New Vegas, sowie Skyrim) konnte man einen humanoiden und einen nicht-humanoiden Begleiter haben. Der nicht-humanoide war der Hund Dogmeat, den ich als eher sinnfrei sah und sehe: er kann nichts tragen und ist sterblich. Andererseits kann der Spieler mit dem Hund kommunizieren, ihn loben, tadeln etc. und er reagiert darauf menschlich hündisch.

Bei Fallout 4 kann man nur einen Begleiter haben: Mensch, Supermutant, Ghul, Synth, Hund, Roboter. Ich bin indifferent, ob ich das besser oder schlechter finde. Was schön bei Fallout 4 ist: wenn man eine innige Beziehung zu dem Begleiter aufgebaut hat (man sich in seinem Sinne verhält), bekommt man eine spezielle Fähigkeit verliehen. Andererseits – was nicht wichtig ist, okay, ein bisschen – ist die Beziehung zwischen Protagonist und Dogmeat wesentlich weniger freundschaftlich als vorher: loben und sowas fällt weg, aber man Kann ihn Männchen machen lassen. Sehr schade.

Crafting

Hier hat Fallout 4 echte Stärken. Zum einen gibt es den Siedlungsbau: eine sehr undankbare Aufgabe und vom Gameplay sehr schlecht umgesetzt. Zum anderen kann man Waffen oder Rüstungen modifizieren – je nach eigenem Perk. Das ist auf jeden Fall sehr cool.

Aber: in Fallout 4 gibt es keinen Verschleiß mehr: man kann Milliarden Schüsse aus einer Waffe abfeuern und diese ist so gut wie am ersten Tag. Die Rüstung kann diverse Schüsse, Explosionen, Stiche und Bisse abfangen, ohne Schaden zu nehmen. Das finde ich schade, da hier auf Realismus verzichtet wurde. Gerade, wo das Thema Crafting eh einen so hohen Stellenwert hat.

Ort/Umfeld

Fallout 4 spielt in der Bostoner Gegend und damit wieder in einem anderen Umfeld als die Teile zuvor: Fallout 3 in Washington, Fallout New Vegas in der Mojave. Auch in den Städten sind die Tunnelkämpfe, die ich so in Fallout 3 liebte, nicht vorhanden. Ja, man geht in U-Bahn-Stationen und bekämpft dort Raider, aber in Fallout 3 musste oder konnte man die Schächte nutzen, um sich fortzubewegen. Sonst eher New Vegas ähnlich, abgesehen davon, dass es draußen gemäßigtes Umfeld gibt und nicht Wüste.

Fraktionen

In Fallout 4 kann man sich einer von drei Fraktionen anschließen: der Railroad (begegnet man auch kurz in Fallout 3), dem Institut und der Stählernen Bruderschaft. Außerdem – sozusagen als Bonus – den Minutemen, die aber nicht relevant im Sinne der Hauptstory sind. Was ich bei Fallout New Vegas ja sehr cool fand, war das Karmasystem bezogen auf Fraktionen: wenn ich einer Fraktion helfe, steigt meim Karma bei dieser von neutral über beliebt bis vergöttert. Damit ändern sich z.B. auch die Preise, die ich in Läden erhalte. Ich finde es schön, weil es leicht nachvollziehbar ist. Weder bei Fallout 3 noch bei Fallout 4 gibt es dieses.

In Fallout 3 muss man die Quest für eine bestimmte Fraktion spielen, dort gibt es keine Wahl. In Fallout 4 hat man die Wahl zwischen den genannten Fraktionen. (In New Vegas hatte man drei Fraktionen – Ceasar’s Legion, RNK, Mr. House – und konnte auf eigenen Deckel spielen.)

Nebenquests

Davon gibt es in Fallout 4 reichlich. Es gibt auch diese never-ending Fraktions-Nebenquests, die uns aus Skyrim bekannt sind (Dunkle Bruderschaft, Dämmerwacht, Gefährten, Diebesgilde) und schnell langweilen. Es gibt in Fallout 4 sehr coole Nebenquests (z.B. Silver Shroud), andererseits werden auch gute Quests verschenkt (Bunker des Bürgermeisters von Boston).

Radio

Es gibt ein Radio in Fallout 4, um den Radiomoderator rankt sich eine Nebenquest. Das ist alles, was es zu dem Thema bei Fallout 4 zu sagen lohnt.

Deutlicher Punkt für Fallout 3.

RPG

Bei Fallout 4 handelt es sich um einen Shooter mit RPG-Feigenblatt. (Man muss freilich anerkennen, dass das Thema RPG bei Skyrim noch wesentlich cooler umgesetzt ist, als bei Fallout 3 und New Vegas). Ein bisschen S.P.E.C.I.A.L. und einzelne Fähigkeiten, die erlernt werden können, machen nun mal kein RPG.

Hauptstory

Bethesda hat all seine Kreativität in die Story von Fallout 3 gepackt, und diese war danach halt weg. Ein weng bissig zusammengefasst, aber so scheint es zu sein. Ja, auch Fallout 4 hat einige gute Momente, aber insgesamt habe ich die Hauptstory irgendwann einfach beendet, um das gemacht zu haben. So richtig Spaß hatte ich dabei nicht.

DLCs

Bei den DLCs wurde in Fallout 4 Bethesda vorgeworfen, nur Geldschneiderei zu betreiben. Es gibt ein DLC, mit dem man zusätzliche Dinge in den Siedlungen bauen kann, Automatron mit einer kleinen Roboter-Story, wo man den Mechanisten (den man bereits aus Fallout 3 kennt), besiegen muss und in der man Roboter bauen kann… und Far Harbor. Das letztgenannte ist ein großes DLC mit einer eigenen Insel mit neuen Gegnern, Pflanzen, Tieren und eigenen Haupt- und Nebenquests. So wie bei Fallout 3 Point Lookout.

Die Hauptquest von Far Harbor hat mir gut gefallen, wie bei Point Lookout auch. Sonst habe ich noch Automatron, das auch ganz nett ist.

Aber wenn man sich die DLCs zu Fallout 3 anschaut, bietet Fallout 4 im Vergleich wesentlich, wesentlich weniger.

Fazit

Es fällt mir schwer, die genannten sieben Jahre zu ignorieren, dafür sind die Unterschiede einfach zu groß. Andererseits bin ich weiterhin gewillt, Fallout 3 den Vorzug zu geben. Ich bin immer wieder begeistert von der rasanten Hauptquest, die mich – ungewöhnlich bei einem Bethesda-Spiel – dazu brachte, immer weiterzuspielen.

Des Weiteren finde ich es schade, dass Fallout 4 kein RPG mehr ist.

Ähnliche Artikel: