Ein paar Worte zum Klimagipfel und dessen Ergebnis

Instrumental_Temperature_RecordVom Klimagipfel in Kopenhagen und dessen traurigem Ergebnis habt ihr sicher gehört (SZ).
Heute nun habe ich in einem Buch einen interessanten Absatz gelesen, der sehr gut dazu passt und den ich euch nicht vorenthalten möchte.
Jürgen Neffe schreibt in Darwin – Das Abenteuer des Lebens*

Im Augenblick verhalten wir Menschen uns auf unserem begrenzten Planeten noch wie Karnickel auf einer Insel, die sich immer weiter vermehren und ihren Lebensraum kahl fressen. die Folgen sind bekannt. Kaninchen verenden im massenhaften Hungertod, wenn ihre Ressourcen aufgebraucht sind. Die Konsequenzen für die Menschheit sind die gleichen. Irgendwann werden wir uns nicht mehr alle durchfüttern können. Darwinistisch gesehen werden die (technisch) Tüchtigsten überleben und die Schwächsten unvermeidlich untergehen.

*Jürgen Neffe: Darwin – Das Abenteuer des Lebens – Bertelsmann 2008 – (Seite 165f)
Bild: wikipedia

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4 Responses to “Ein paar Worte zum Klimagipfel und dessen Ergebnis”

    6882
  1. Dieser Absatz beinhaltet sicherlich viel Wahres, zeigt aber auch, dass Jürgen Neffe das klassische Darwin-Zitat “survival of the fittest” ebenso falsch übersetzt wie seinerzeit die Nazis. Es heißt nämlich nicht “Überleben des Tüchtigsten / Stärksten” (woraus dann zu folgern wäre, dass der Schwächere eben nicht überlebt), sondern korrekt übersetzt heißt es “Überleben des am besten Angepassten”. Dies schließt keinesfall aus, dass der vermeintlich Schwächere überlebt. Beispielsweise ist es durchaus denkbar, dass ein Naturvolk, welches im Einklnag mit der Natur lebt, uns am Ende voraus ist (in Hinblick auf das Überleben), zumal wenn man die Gefahren bedenkt, die der technische Fortschritt mit sich bringt. Neffe ist hier dem für unsere Gesellschaft so typischen Fortschrittsglauben aufgesessen. Seine Darlegung des Sachverhalts birgt die Gefahr folgender Interpretation: Wir haben aufgrund unserer technischen Überlegenheit das Vorrecht. Die Armen und Schwachen werden früher oder später sowieso aussterben. Weshalb sollten wir sie also noch länger mit duchfüttern? Genau dies war das Argument der Nazis. Würde Neffe über bessere Geschichtskenntnisse verfügen, wäre ihm dieser Fauxpas hoffentlich nicht passiert…

  2. 6886
  3. Danke für deinen Kommentar, Insa. Aber vieleicht solltest du dich weniger am Motto “erst schießen, dann fragen” orientieren.

    Denn diesmal muss ich den Ball zurückspielen. Du hast sehr Recht, dass hier eine “falsche” Übersetzung gewählt wurde, aber du hast absolut unrecht, wenn du den Autoren hier angreifst.
    (Man sollte auch meinen, als Biologe kennt er sich auch schon ein wenig mit Darwinismus aus.)

    Herr Neffe wollte durch die Aussage durchaus in einem gewissen sozialdarwinistischen Sinne argumentieren. Es ging ihm darum, die Zukunft zu beschreiben, wenn wir die Erde weiterhin so ausbeuten.

    Beim Menschen ist nicht die beste Anpassung an bestehende Verhältnisse entscheidend, sondern vielmehr Wissen, Technik, Geld.
    Wo sind denn all die super-angepassten Indianer, Inuit, Aborigines? Sie mussten kapitulieren vor den absolut nicht angepassten aber technisch und finanziell besser ausgestatteten Europäern. Und genau darauf will er hinaus.
    In diesen Sätzen ist keine Bewertung drin, weil er – wie immer – aus dem Zusammenhang gerissen wurde.

    Wobei “tüchtig sein” in der Tierwelt eh Unfug ist.

  4. 6898
  5. Wie kann Neffe in einem Buch mit dem Titel “Darwin – Das Abenteuer des Lebens” – zugegeben, ich habe das Buch nicht gelesen – unter Bezug auf Darwin sozialdarwinistische Theorien vertreten? Der Bezug auf Darwin ist in diesem Zusammenhang unter Wissenschaftlern schon lange verpönt und auch sachlich nicht richitg (vergleiche hierzu auch den Artikel in Wikipedia). Ich greife Neffe mit Recht an, wenn ich ihm vorwerfe, in seinem vermutlich populärwissenschaftlichen Werk überholte Theorien unter dem Deckmantel der Wissenschaft zu verbreiten.

  6. 6915
  7. Ich bin mir durchaus bewusst, dass du nichts glaubst, was nicht von deinen Autoritäten abgesegnet ist. Aber du solltest dir doch die Zeit nehmen, das Buch zu lesen, bevor du in reiner Stammtischmanier darüber herziehst.
    Davon ab solltest du vielleicht ein wenig mehr auf direkt Gesagtes und weniger auf eigene Interpretationen achten.
    Aber bevor wir jetzt weiterhin aneinander vorbeireden. Der Autor schreibt, dass wir uns so verhalten wie die Kaninchen, die sich vermehren und die Umwelt kahlfressen. Außerdem wagt er die – imho gar nicht so unwahrscheinliche – Vorhersage, dass dies in erster Linie zulasten der armen und schwachen Länder gehen wird. Nicht nur, weil diese – Beispiel Indonesien, Tuvalu – oftmals in Gegenden liegen, die in erster Linie gefährdet sind, sondern vielmehr weil diese in kleinerem Maße die Möglichkeiten haben, sich gegen die Probleme zu wehren.
    Wir industrialisierten Menschen setzen uns über die Natur hinweg. Heute ernten wir bereits die Erträge unserer Hybris, aber das wird erst der Anfang sein.
    Herr Neffe, ich möchte das hier in aller Deutlichkeit klarstellen, hat sich absolut nicht sozialdarwinistisch geäußert, vielmehr sieht er die Folgen unseres Tuns – wie beschrieben – mit großer Sorge.

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