Lidl, Schlecker und ein Boykottaufruf

In zahlreichen Zeitungen erscheint heute eine ganzseitige Anzeige von Lidl wegen der Mitarbeiterbespitzelung, über die der Stern letzte Woche berichtete (mein Beitrag dazu). Leider jedoch geht Lidl nicht auf die dem Stern vorliegenden Protokolle, aus denen m.E. klar ersichtlich ist, dass die Mitarbeiter Ziel der Überwachung sind, ein, es wird weiterhin behauptet, dass die versteckten Kameras dabei helfen sollten, Ladendiebstahl aufzuklären. Die Punkte ein Einzelnen:

  • Die Vermeidung von Warendiebstahl ist für den gesamten Einzelhandel eine große Herausforderung
    Unbestritten
  • Lidl erleidet in Deutschland alljährlich einen Inventurverlust von ca. 80 Mio. Euro
    Da Lidl keine Bilanzen präsentiert (präsentieren muss), kann man dies glauben – oder man lässt es…
  • Das kann Arbeitsplätze gefährden
    So mit seinen Mitarbeitern umgehen auch – wenn schon der Generalsekretär einer der beiden größten deutschen Parteien zum Boykott aufruft…(*)
  • Die Lidl Filialen mit Kameraeinsatz hatten vorher mehr als doppelt so hohe Inventurverluste pro Jahr
    Wie oben: glaub’s oder lass’ es sein…
  • Lidl geht fair mit seinen Mitarbeitern um
    Da ist es interessant, was andere dazu sagen. Bei ver.di gibt es übrigens ein/das Lidl-Schwarzbuch zu bestellen

Ob es nicht tatsächlich besser wäre, den Laden über sichtbare Kameras zu überwachen, um Ladendiebe von vornherein abzuschrecken, dazu schreibt Lidl nichts.

*Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD ruft zum Boykott von Lidl auf. Der BamS sagte er laut EZ

“Ich bin vorsichtig mit Boykottaufrufen. Aber es sollte die Verbraucher schon interessieren, ob die Menschen in einem Laden nur Jobs haben oder gute Arbeit, von der sie leben können, die nicht krank macht und die Würde der Beschäftigten wahrt. [...] Wie hier die Würde von Arbeitnehmern verletzt wurde, ist widerlich. [...] Mitarbeiter wurden wie Knechte behandelt.”

Wie ver.di berichtet, sollen auch bei Schlecker Mitarbeiter überwacht werden. Dabei kommen dabei Lochwände zum Einsatz. Die Mitarbeiter trauen sich jedoch häufig nicht, darüber zu berichten, um den eigenen Arbeitsplatz nicht zu gefährden.
Quelle: SZ

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