Aus für die “Pille für den Mann”
Die Süddeutsche meldete gestern, dass nach 10jähriger Entwicklung das Aus für die “Pille für den Mann” kommt. Schering hatte die Pille mit einem Partner entwickelt und die Tests zeigten gute Ergebnisse. Aus pharmakologischen Gründen hätte es kein Aus geben müssen. Allerdings hatten die testenden Männer ein Problem mit Stimmungsschwankungen sowie emotionalen Hochs und Tiefs.
“Wenn ich gerade Testosteron gespritzt bekommen hatte, war ich mutig, aggressiv und voll Energie”, sagt der britische Journalist Clint Witchalls, der die Pille ein halbes Jahr ausprobiert hat - und die Achterbahn der Gefühle in seinem neuen Buch “Die Pille und ich” beschreibt.
“In den Phasen vor der neuen Spritze war ich unsicher, anhänglich und introvertiert.” Wie eine Frau. “Ich würde nie sagen, dass das prämenstruelle Syndrom eingebildet ist”, sagt Witchalls. “Jedenfalls jetzt nicht mehr.”
Interessant ist, dass auch Placebo-Einnehmende unter diesen Problemen zu leiden hatten.
Weiter schreibt die Süddeutsche:
Ein entscheidender Grund war aber auch die Übernahme durch den Wettbewerber Bayer. Im vergangenen Jahr war Schering von Bayer gekauft worden, seither hatte der neue Pharmachef Arthur Higgins penibel die gesamte Forschung durchleuchten lassen.
Insgesamt zwanzig potentielle neue Medikamente fallen der künftigen Fokussierung aus “strategischen Überlegungen oder aufgrund geringer Erfolgsaussichten” zum Opfer, so auch die hormonelle Verhütung für den Mann.
Ich muss schon sagen, dass es schade ist, dass die Pille für den Mann nicht weiterentwickelt wird. Aber Schering ist ein privates Unternehmen und hat den Marktregeln zu gehorchen. Anders als die Kommentatorinnen des Artikels sehe ich nicht als Grund überhöhte Männlichkeit. Der Punkt, dass auch die Kontroll-Gruppe unter den Beschwerden litt, ist allerdings sehr interessant. Es weist m.E. darauf hin, dass viele Männer ein Problem mit der Einnahme hormoneller Mittel haben (was für Bodybuilder nicht zu gelten scheint). Und hier würde ich auch den Grund für das Einstellen sehen: wenn schon die Kontrollgruppe solche Beschwerden hat, was soll dann erst mit den eigentlichen Kunden auf dem Markt sein?
Und nun ein paar Worte zu den Kommentatorinnen, die sich bitterlich beklagen, dass die Männer die Pille nicht nehmen wollen, weil sie Stimmungsschwankungen haben und die Frauen sie nehmen sollen, obwohl diese Krebs erregend ist (wozu ich nichts sagen kann): liebe Frauen, ich möchte doch sehr gern wissen, wer euch - im Jahre 30 nach der sexuellen Revolution - noch die Pistole auf die Brust setzt. Wenn ihr nicht nehmen wollt, dann nehmt nicht. Ganz einfach, entweder er nimmt ein Kondom oder es gibt keinen Sex. Punkt. Aber jammern auf hohem Niveau und sich selbst als das arme, kleine Opfer zu präsentieren, ist natürlich einfacher, nicht wahr?! Lieber die Dunkelheit verfluchen als eine Kerze anzünden…
Übrigens: nicht, dass sich hier irgendwer irgendwelche Gedanken macht und irgendwas aus den Zeilen liest: ich bin durchaus hetero.

on
August 8th, 2007 at 01:34
Du hast schon Recht! Es ist einfach albern, für wie viele Frauen die Pille selbstverständlich ist und - noch schlimmer - wie viele Frauen es als normal empfinden, dass Männer von ihnen die Einnahme der Pille verlangen! Tatsache ist doch, dass nur die allerwenigsten Frauen - auch nicht die in festen Beziehungen!!! - täglich oder auch nur jeden zweiten Tag Sex hätten. Die Pille muss aber jeden Tag genommen werden, obwohl frau nur an wenigen Tagen je Zyklus überhaupt fruchtbar ist. Tatsache ist weiterhin: wer einen einigermaßen regelmäßigen Zyklus hat braucht überhaupt nur an fünf Tagen im Monat verhüten - und das ist schon großzügig gerechnet. Eine Mischung aus Persona und Kondom bietet sich ab. Falls das Kondom reißt, merkt man es schließlich und kann die “Pille danach” nehmen. Und aus eigener vielvielvieljähriger Erfahrung kann ich sagen, dass ein solcher Riss bei guten Kondomen nur sehrsehrsehr selten vorkommt. Rechnet man 2 Kondome pro Zyklus (für die 5 fruchtbaren Tage), dann kommt es nur alle 7 Jahre zu einer solchen Panne (für alle, die sich gerade denken wollten, die Pille danach sei ja schließlich gefährlicher weil höher dosiert als die gewöhnliche Pille….). Es ist mir einfach nicht begreiflich, was sich viele Frauen antun. Es geht ja nicht nur um das Krebsrisiko - der gesamte natürliche Hormonhaushalt wird durcheinander gebracht, die Persönlichkeit und Befindlichkeit kann dauerhaft verändert sein, die meisten Frauen haben sogar weniger Lust auf Sex, wenn sie die Pille nehmen, ganz zu schweigen von der Überempfindlichkeit gegenüber Pilzinfektionen - auch für den Mann ein lästiges Übel. Schließlich gehen Forscher davon aus, dass Frauen, die die Pille nehmen, eine falsche Partnerwahl treffen, weil ihr Geruchssinn verändert ist. Setzen sie dann die Pille ab, um bspw. schwanger zu werden, können sie ihren Partner oft “nicht riechen”, und die Beziehung gerät in eine Krise. Usw. und so fort, ewiges Streitthema in meinem Bekanntenkreis, da ich die Ansicht vertrete, dass es den Frauenärzten in erster Linie um das gute Geschäft geht, und eine meiner Bekannten Tochter eines Frauenarztes ist (und die Sache natürlich ganz anders sieht…).
on
August 8th, 2007 at 12:56
Die Frauenärzte verdienen sicher nicht schlecht an den Verschreibungen und so. Andererseits gilt die Pille als sehr verträglich und sicher.
Aber ich muss und kann doch von jeder erwachsenen Frau erwarten, dass sie sich informiert, was sie in sich hineinstopft und dann eine Risikoabwägung betreibt. Wenn’s sein muss, muss sie sich gegen ihren Lover stellen und ihn darauf hinweisen, dass sie nicht bereit ist, das Zeug zu nehmen.
Wenn jede sich so sehr mit der Pille beschäftigen würde, wie mit Diäten und Schönheitstipps, dann wäre viel gewonnen…
Insofern kann ich nur auf meine obige Aussage verweisen: die allermeisten Frauen können wählen, und wem das Risiko zu groß ist, ohne sich zu verweigern, sollte sich auch nicht beklagen.