Sascha Lehnartz: Global Players

In diesem Buch schreibt Lehnartz sehr interessant über die Generation Golf. Dabei geht er durchaus hart mit dieser ins Gericht, indem er beschreibt, dass diese Generation (und nachfolgende) nicht erwachsen werden will. Hierzu bemüht er auch die Biologie, bezeichnet dies als Neotenie (kannte ich bislang nur vom Axolotl) und als Selektionsvorteil in einer sich immer schneller drehenden Welt. Ob sich dies tatsächlich fortsetzt, wird sich noch zeigen…
Des Weiteren beschreibt er die Ursprünge des Alternativen, Hipster-Tums, Dagegenseins, der Coolness. Alles sehr witzig. Immer ist beim Leser ein leichtes Unbehagen zu spüren, es ist alles viel zu einfach. Und dann merkt man es: Lehnartz ist ein (fast schon viel zu) typischer Generation Golf-Neocon. Er lässt keine adoleszente Revolution gelten um davon abzulenken, dass genau die Generation Golf (zu der ich, rein altersmäßig, auch gehöre) keine Revolutionen zustande gebracht hat, sondern sich vielmehr im Konsum übte, anpasste und genau dadurch in die Geschichte einging. Lehnartz macht sich in typischer Manier über die Hippies, Punks und Grungers lustig, indem er darauf verweist, dass diese stets vom Kommerz vereinnahmt wurden.
Offensichtlich ist er der Meinung, dass Jugend-Revolutionen immer zu etwas führen müssen und sonst sinnlos sind. Dieser doch sehr einseitige und konservative Blick ist meines Erachtens falsch. Die Jugendrevolution ist immer eine Revolution in einer Zeit gegen das Establishment. Will sagen, Jugendliche protestieren so oder so gegen die Etablierten. Man kann dies auch als einen typischen Teil des Abnabelungsprozesses gegen die Eltern und ihre Weltbilder sehen. Und genau hieran mangelt es der Generation Golf. Sie war genauso wie ihre Elterngeneration, nur jünger. Und hierfür liefert Lehnartz nachträglich eine Begründung.
Ein sehr nettes Zitat von Michael Moorstedt (jetzt.de) zu diesem Buch, überschrieben mit “Jammern auf hohem Niveau”:

Untersuchungen und Zitate aus 70 Jahren Gegenkultur, Hipstertum und juveniler Rebellion zeigen, was sich manch einer wohl schon immer dachte: Nonkonformismus ist eigentlich konformistisch und „jugendlicher Widerstandsgeist ist der Exportschlager der Kulturindustrie.“ Der kausale Zusammenhang dieser Thesen mit der Konstitution einer, bereits reichlich oft bemühten, Peter-Pan-Generation will sich jedoch nicht so recht erschließen.

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